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Empfindlich und sensibel - aber hochsensibel?

"Stell Dich doch nicht so an...!"

 

"Sei doch nicht so empfindlich...!"

 

"Mensch, bei Dir muss man jedes Wort auf die Goldwaage legen...!"

 

"Du bist aber komisch...!"

 

"Du bist aber wirklich eine Mimose...!"

Warum Hochsensibilität nichts mit "Über"empfindlichkeit zu tun hat

Hochsensible, die die diese Sätze lesen, kennen sie nur zu gut. Aber sie nerven auch gewaltig.

 

Denn Hochsensibilität hat mit nichts mit Überempfindlichkeit zu tun. Okay, Hochsensible kommen so rüber. "Normalfühlende" bekommen viel weniger mit. Das ist einfach Fakt. Ohne das bewerten zu wollen, machen sie sich um Dinge, die einem Hochsensiblen auffallen weniger nen Kopf.

 

Normalfühlende sind aus diesem Grund oftmals überrascht, überrumpelt oder fühlen sich ein Stück weit auch 

ertappt. Je nachdem, wen Du da vor Dir hast, wird Hochsensibilität als Überempfindlichkeit wahrgenommen.

 

Apropos Wahrnehmung: Jetzt kommen wir dem Unterschied schon einen großen Schritt näher. Alain Aron, eine amerikanische Psychologin und international anerkannte Wissenschaftlerin hat den Begriff kreiert. Damit wollte sie beschreiben, wie Menschen sind, die nicht nur introvertiert und schüchtern, sondern insgesamt ein besonders feinfühliges Naturell besitzen.

Überempfindlichkeit vs. unterschiedliche Wahrnehmungslevel

Der Schweitzer Forscher Dr. Patrice Wyrsch hat dazu folgenden Gedanken: "Unsere Vision ist die allgemeine Anerkennung, dass Menschen über unterschiedliche Wahrnehmungslevels verfügen." Er mag den Begriff Hochsensibilität nicht.

 

Dr. Wyrsch hat sich der Hochsensibilität ganz anders genähert. Denn er hat erkannt, dass Hochsensible viel mehr über eine erhöhte Wahrnehmung verfügen (Aufnahme und Verarbeitung von sensorischen Informationen bzw. Reizen durch die Sinnesorgane). "Normalfühlende" Menschen bekommen längst nicht so viel mit, als Hochsensible. 

 

Die Menschen, die über eine erhöhte Wahrnehmung verfügen, haben gleichzeitig unterschiedliche Wahrnehmungslevel. Man kann also den einen Hochsensiblen mit einem anderen nicht in einen Topf werfen. Der eine hat eine ganz feine Antenne für Stimmungen unter den Menschen, der andere reagiert extrem sensibel auf Lärm. 

 

Patrice Wyrsch hat daher Neurosensitivität, "die Fähigkeit, Umgebungsreize zu registrieren und zu verarbeiten" für exakter gefunden. Selbst ein Sensitivitätstest wurde entwickelt.

Was Hochsensibilität auf gar keinen Fall ist

Hochsensibilität wird immer bekannter, weil immer mehr Menschen sich als hochsensibel erkennen. Kein Wunder in unserer hoch anspruchsvollen und schnelllebigen Zeit.

 

Menschen, die introvertiert, schüchtern oder beides sind, für die ist schwer zu verdauen, was ihnen alles "serviert wird. Auch die Informationsflut hat so dermaßen zugenommen, dass sie praktisch nicht zu bewältigen ist. 

 

Hochsensibilität bringt zwar einige Schattenseiten mit sich, auf der Sonnenseite wiederum findet sich äußerst wertvolles und geniales Potenzial. Hochsensible können das oftmals gar nicht sehen und annehmen, weil sie viel zu sehr mit ihrem Naturell hadern.

 

Diese Wesensart ist mit keinem speziellen Krankheitsbild verbunden. Auch eine psychische Krankheit steckt nicht dahinter. Allerdings je nach Typ und Hintergrund könnte ein Trauma dahinterliegen oder verbunden mit anderen psychischen Krankheiten die Hochsensibilität entstanden sein.

 

Wenn Du der Typ bist und in Deiner Kindheit einfach viel zu viel hast verdauen müssen, könnte das eine mit dem anderen zusammenhängen. Sonst aber spricht man von einem sensiblen Persönlichkeit, einem Charakterzug oder einem sensitivem Naturell.    

Wissenswertes über die wunderbaren "Gaben" Hochsensibler

Hochsensible daher "nur" als überempfindlich abzustempeln würde ihnen einfach nicht gerecht werden. Im Gegenteil: Das, was Hochsensible mitbringen, ist geniales Potenzial in verschiedenen Bereichen:

  • Hochsensible achten auf Qualität und sind detailverliebt.
  • Man sagt ihnen auch Perfektion nach.
  • Hochsensible schneiden besonders gut bei Aufgaben ab, die Genauigkeit erfordern.
  • Hochsensible sind besonders gut darin, schon kleine Unterschiede zu entdecken.
  • Hochsensible erkennst Du an ihren hohen ethischen Werten. 
  • Sie können aus einer Quelle für Kreativität Innovation schöpfen.
  • Hochsensible brauchen insbesondere einen erfüllenden, sinnvollen Beruf.
  • Sinn und Stimmigkeit sind die Grundlage für ihren Erfolg.  

Dazu zählt unter anderem auch die Facette: vielbegabter "Scanner". Ein solcher Typus erfasst schnell, ist sehr begeisterungsfähig, extrem neugierig und wissbegierig. Scanner daher, weil sie aufgrund des zügigen Erfassens von Inhalten gerne mal zum nächsten Thema springen.

Wenn's überhaupt ein Mako gibt, dann ist es ihr Selbstwert, der sie vielfach hindert

Viele Hochsensible haben ein eher kleines Selbstwertgefühl. Andere wieder wirken stärker, was leider auch mehr Fassade ist. Als schüchterner, introvertierter Mensch haben sie von Anfang an in ihrem Leben sich nicht als besonders wertvoll erleben können.

 

Wenn sie sich von Anfang an als "anders" und zu empfindlich wahrnehmen, von ihrem Umfeld deshalb eher ausgegrenzt werden, beziehen sie das meistens auf sich. Sie sind nicht gut genug, nicht liebenswert oder meinen, dass sie durch ihr Anderssein nicht in die Gesellschaft passen.

 

Dass das von Kindesbeinen an ihrem Selbstwert kratzt, ist nachvollziehbar. Doch der Selbstwert kann nachträglich und als Erwachsener trainiert werden. Je mehr Selbstbewusstsein aufgebaut wird, desto besser.

Ergänzend zum Thema: Podcastfolge mit Stefan Hagen, Business-Coach

Stefan Hagen ist Business-Coach und sieht sich auch als Sparringspartner für Unternehmer:innen, Selbstständige und Freiberufler. 

 

Ich selbst kenne Stefan Hagen schon eine ganze Ewigkeit. Na ja, kennen ist vielleicht zu viel gesagt. Auf jeden Fall verbinde ich ihn mit der Sendung "Hagen hilft", kabeleins, aus dem Jahre 2008. Den Kontakt zu ihm habe ich über Xing aufgebaut und ihn sogar mal für einen kleinen Vortrag in Hamburg gewinnen können, aber auch in einer beruflichen Sequenz mit ihm zusammengearbeitet.

 

Unsere Wege haben sich immer mal wieder gekreuzt, sodass wir uns nie wirklich aus den Augen verloren haben. Mein Coaching-Thema ist das der Hochsensiblen im Beruf, weshalb das für eine neue Podcastfolge wie die Faust fürs Auge war.

Der Podcast: Unter anderem...

Der Podcast mit Stefan Hagen: "Unter anderem" greift Themen auf, die weiterbesprochen, weitergedacht werden sollen. Stefan Hagen bezieht sich auf unterschiedlichste und gerne auch auf aktuelle Themen.

 

Das Thema Hochsensibilität kam mit der Arbeit eines Kunden auf und damit die Frage, ob's Hochsensibilität überhaupt gibt oder ob jemand einfach nur "überempfindlich" ist. 

 

Vielen Dank lieber Stefan, für Deine Einladung zu dieser Episode!

 

Voila, wer mal reinhören will: https://stefan-hagen.com/podcast-2/